«Im digitalen Zeitalter schreiben nur die Mutigen Geschichte»

Text — Daniel Schriber

interview

Der technologische Fortschritt bringt für innovationsfreudige Unternehmungen unzählige spannende Möglichkeiten mit sich. Um vor lauter Optionen nicht den Überblick zu verlieren, sollte man jedoch nicht jeden x-beliebigen Trend mitmachen, rät Hannes Burkhalter, Senior Partner bei INNOArchitects.

Über den Autor
Daniel Schriber – freischaffender Journalist, ehemaliger Sportredaktor

Hannes Burkhalter, Sie und Ihre Kollegen bei INNOArchitects bezeichnen sich als «Experten im Bereich des Innovationsmanagements». Was heisst das genau?

    Unser Angebot lässt sich in vier Bereiche unterteilen: Im Bereich INNOStrategy entwickeln wir ganzheitliche Zukunftsbilder und setzen die Leitplanken für eine erfolgreiche Innovationsarbeit. In der INNOFactory, unserem Herzstück, unterstützen wir unsere Kunden dabei, Ideen zu entwickeln und Innovationen in Rekordzeit zielgerichtet umzusetzen. In der Academy stehen Trainings- und Ausbildungsformate im Vordergrund. Der INNOSpace ist unser Zuhause und beherbergt grosse Firmen und kreative Entwickler.

Sie machen Ihre Kunden somit fit für die Digitalisierung?

    Genau. Unser INNOSpace auf über 1000 Quadratmetern am Fusse des Gurten bildet die perfekte Umgebung, um Geschwindigkeit, Vernetzung und Methoden für und mit unseren Kunden und Partnern spür- und erlebbar zu machen. Das «Umsetzen und Ermöglichen von Innovation» spielt in allen vier Sparten die entscheidende Rolle. Wir befähigen unsere Kunden, die Digitale Transformation erfolgreich umzusetzen.

Sind die Schweizer Firmen bereit für die Digitalisierung?

    Wir beobachten ein stark wachsendes Bewusstsein. Kein Wunder: Die Unternehmungen spüren die Veränderung an allen Ecken und Enden – und haben gar keine andere Wahl, als sich damit zu beschäftigen. Natürlich tun das nicht alle gleich konsequent. Manche Firmen wagen gerade ihre ersten digitalen Gehversuche, andere haben das Thema fest in ihrer Strategie und noch viel wichtiger in den Köpfen und Herzen der Mitarbeitenden verankert.

Können Sie ein Erfolgsbeispiel nennen?

    Die Schweizerische Post: Das Unternehmen ist bezüglich der konsequenten Umsetzung und Ermöglichung von Innovationen schon sehr weit und bringt laufend neue Dienstleistungen auf den Markt. Die Firma weiss, dass ihr Kerngeschäft früher oder später neu definiert werden muss und hat entsprechend darauf reagiert.

Können Sie etwas konkreter werden?

    Die Leute schreiben kaum mehr Briefe, Pakete werden vielleicht bald mit den Drohnen von Amazon, den selbstfahrenden Uber-Crowd Fahrzeugen oder mit Paketrobotern ausgeliefert. Die Firma hat deshalb gar keine andere Wahl, als innovativ zu sein und neue Produkte auf den Markt zu bringen. Die Post hat deshalb vor über 5 Jahren angefangen, ein konsequentes Innovationsmanagement aufzubauen. Dieses trägt jetzt langsam Früchte.

Wie lässt sich diese Herausforderung erfolgreich bewältigen?

    Es braucht Weitblick, Neugier und Mut. Wer stets an seinem ursprünglichen Geschäftsfeld festhält und einfach den Gürtel immer enger schnallt, wird früher oder später den Anschluss verlieren, weil die Musik an einem anderen Ort spielt. Im digitalen Zeitalter schreiben nur die Mutigen Geschichte.

Wie gelingt die Digitale Transformation?

    Letztendlich hat jedes Unternehmen das Ziel, sich nachhaltig und rentabel zu entwickeln. Um das zu schaffen, muss man wissen, wo man in Zukunft hinwill, wer man sein will. Die Digitalisierung bringt eine Flut von neuen Möglichkeiten mit sich – umso wichtiger ist es, dass man zwischen «interessanten» und «relevanten» Informationen zu unterscheiden lernt.

Welche Fehler sollte man vermeiden?

    Man sollte weder jeden x-beliebigen Trend mitmachen noch – ob all den Möglichkeiten – in Ohnmacht verfallen. Die Zauberformel lautet: «Orientieren, Fokussieren, Umsetzen». Es braucht ein Zielbild mit klar definierten Feldern. Wenn man sich für einen Weg entschieden hat, sollte man den Mut haben, diesen konsequent zu verfolgen und konstant besser zu werden.

Drei Tipps – vom Praktiker für Praktiker

  • Vernetzung gekonnt einsetzen: Die Digitale Transformation wird nicht im stillen Kämmerlein und innerhalb der eigenen Unternehmensgrenzen umgesetzt. Im Gegenteil: Unternehmen tun gut daran, ihre (potentiellen) Kunden sowie externe, notwendige Kompetenzen gezielt in ihre Projekte einzubinden. Da draussen gibt es genau die Fähigkeiten und Menschen, die jedes Unternehmen braucht um nachhaltig erfolgreich zu sein. Warum also die Türen nicht öffnen?
  • Fokus und Speed: Die Digitalisierung schreitet in einem rasend schnellen Tempo voran. Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen den Mut haben, zielgerichtet, konsequent und rasch auf diese Entwicklungen zu reagieren und die Zukunft proaktiv zu gestalten. Wer zu lange zögert und nur beobachtet, läuft Gefahr, in Schockstarre oder gar Panik zu verfallen, anstelle die grosse Chance, welche die Dynamik bietet, zu nutzen.
  • Innovation – im und neben dem Kerngeschäft: Natürlich müssen Firmen mit der Zeit gehen und auch radikal neues ausprobieren – dabei sollte man jedoch nie seine Herkunft und die eigenen Fähigkeiten aus den Augen verlieren. In der Kombination von Trends und eigenen Fähigkeiten liegt das wahre Innovations-Potential einer Unternehmung. Darüber hinaus bedeutet Innovation auch, sein Kerngeschäft konsequent auf die Kundenbedürfnisse auszurichten.

Inwieweit sehen Sie einen Zusammenhang zwischen der Unternehmenskultur und der Umsetzung der digitalen Transformation in Unternehmen?

    Das spielt stark zusammen. Die Digitalisierung lässt sich nicht als geschlossenes Element betrachten – sie ist vielmehr ein starker Treiber der Gesamtmarktentwicklung. Es geht somit nicht nur darum, neue Produkte zu entwickeln, sondern auch ganze Unternehmensstrukturen und Arbeitsmethoden zu überdenken.

Wo finden KMU Unterstützung, wenn Sie die Digitalisierung angehen wollen?

    Unsere Kunden sind zu 80 Prozent grosse Dienstleistungs-Unternehmen aus der Schweiz. Natürlich gibt es aber auch spannende kleinere Unternehmungen mit hohem Transformationsdruck, die sich nicht dieselbe Begleitung wie die Grossfirmen leisten können – das brauchen aber auch nicht alle. Es gibt verschiedene Angebote, die sich an KMU richten, die an neuartigen Produkt- oder Dienstleistungsideen interessiert sind. Die Mobiliar zum Beispiel betreibt im Schloss Thun eine Innovations-Werkstatt, die unter anderem durch INNOArchitects moderiert wird.

Was müssen wir uns unter einer «Innovations-Werkstatt» vorstellen?

    An diesen Veranstaltungen erarbeiten Führungspersonen und Mitarbeitende innerhalb von zweieinhalb Tagen erlebbare, greifbare Prototypen und Geschäftsmodelle für die Zukunft. Ich bin überzeugt, dass mit solchen Angeboten ein wichtiger Beitrag zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit von Schweizer KMU’s geleistet wird.