«Apps werden nur genutzt, wenn sie einen Mehrwert bieten»

Text — Daniel Schriber

interview

Wer ein neues Produkt lancieren will, investiert oft viel Zeit in Konzeptarbeit. In Zeiten der Digitalisierung empfiehlt Andreas Rava einen anderen Weg. Der Unternehmensentwickler ist überzeugt: «Nur wer frühzeitig die Meinung seiner Kunden abholt, findet heraus, ob ein Produkt wirklich funktioniert.»

Über den Autor
Daniel Schriber – freischaffender Journalist, ehemaliger Sportredaktor

Welches sind die wichtigsten Regeln, die jedes Unternehmen beachten muss, um die digitale Transformation erfolgreich zu meistern? 

    Zuerst gilt es zu verstehen, dass Digitalisierung eigentlich nichts Neues ist – ich beschäftige mich schon seit 25 Jahren damit. Das Tempo hat jedoch zweifellos zugenommen. Um als Unternehmen Schritt halten zu können, braucht es primär Offenheit und vernetztes Denken.

Was meinen Sie mit «vernetztes Denken»?

    Die Digitalisierung führt dazu, dass Branchen und Themen, die früher strikte getrennt waren, auf einmal zusammenwachsen. Deshalb ist es wichtig, über Unternehmensgrenzen hinweg zu denken. Innovative Lösungen basieren häufig auf kollaborativem Zusammenarbeiten – und das auch über interne sowie externe Firmengrenzen hinweg.

Können Sie ein Beispiel für diese Entwicklung nennen?

    Denken Sie an Industriesteuerungen im Gebäudebereich. Während es früher verschiedene Systeme für Licht-, Klima- und Heizungsanlagen gab, kommen diese Systeme bei neuen Bauten zumeist aus einer Hand. Durch solche Vernetzungen ergeben sich auch für die Kunden ganz neue Möglichkeiten.

Was bedeutet diese Entwicklung für die Unternehmen?

    Dieses Beispiel der Gebäudetechnik zeigt, dass sich Businessmodelle laufend ändern. Es  lohnt sich deshalb, die eigenen Fähigkeiten immer wieder neu zu überdenken.
Andreas Rava studierte an der FH Wirtschaftsinformatik und Unternehmensentwicklung. Als Mitgründer von Uptime Produkts AG und Uptime Services AG war er mehr als 15 Jahre in der Lösungsentwicklung von Enterprise Dokument-Managemt-Systemen sowie im Bereich Prozess- und Qualitätsmanagement tätig. Seit 2010 ist er bei Puzzle ITC für die Weiterentwicklung des Thema Transportation / Mobilität sowie allgemein für Business Development & Innovation zuständig. Andreas Rava ist 1969 geboren und lebt mit seiner Familie in einem selbst konzipierten Passivhaus in Kerzers.

Sie unterstützen Ihre Kunden bei der Entwicklung von Websites, Apps und anderen interaktiven Produkten. Einfach gesagt: Sie sind Informatiker.

    Das ist zu einfach gesagt. Bei uns geht es nicht nur um Softwareentwicklung, sondern darum, den Kunden von der Entwicklung einer Idee bis zur Umsetzung zu begleiten und ihn auch nach der Einführung zu unterstützen. Wir sehen Kundenbeziehungen als langfristige Partnerschaften.  Im Fokus steht stets dasselbe: Der Nutzen und die einfache Zugänglichkeit der Anwendung für den Enduser.

Wie müssen Firmen konkret vorgehen, um eine App zu realisieren, welche dieses entscheidende Kriterium erfüllt?

    Zuerst einmal gibt es einige Fehler, die man unbedingt vermeiden sollte – und die trotzdem immer wieder vorkommen.

Wie zum Beispiel?

    Viele Unternehmen investieren beachtliche personelle sowie finanzielle Ressourcen in ordnerdicke Konzepte, bevor sie ein Projekt in die Realität umsetzen. Sie tun dies häufig aus dem Grund, der vermeintlich einzig geltenden Vorgehensweise gerecht zu werden. Wenn die Idee dann doch mal «fertig» ist, ist sie nicht selten bereits wieder veraltet.

Je ‹einfacher› die Benutzung einer App  für die Kunden, desto komplexer ist in der Regel die Technik dahinter.

Sie sagen also, digitale Projekte sollen nicht sorgfältig durchdacht und geplant sein?

    Natürlich braucht es eine gewisse Planung und auch Konzeptarbeit. Entscheidender ist aber, dass man herausfindet, wie das neue Produkt bei den Leuten ankommt. Denn klar ist: Ob eine App erfolgreich wird oder nicht, entscheiden die Anwender. Es ist für uns deshalb extrem wichtig, schon sehr früh in einem Projekt die Meinung der effektiven User abzuholen. Das empfehlen wir auch unseren Kunden. Nur so findet man heraus, ob ein Produkt wirklich funktioniert.

Drei Tipps – vom Praktiker für Praktiker

  1. Offenheit: Die fortschreitende Digitalisierung führt dazu, dass sich klassische Geschäftsfelder verändern. Umso wichtiger ist es, über den Tellerrand zu schauen. Zudem sollte man sich stets folgende Frage stellen: Ist das, was wir heute machen, morgen noch gefragt?
  2. Flexibilität: «Das haben wir schon immer so gemacht.» Dieser Satz ist nicht nur überholt, sondern gefährlich: Nie war es wichtiger, flexibel zu sein und über bestehende Grenzen hinweg zu schauen. Nutzen Sie die Chancen der Technologie, um ganz neue Geschäftsfelder zu entdecken.
  3. Mut: Jedes kleine Unternehmen ist heute in der Lage, einen «Grossen» umzustossen. Alles was es braucht, ist eine gute Idee, einen Computer und das Internet. Die Hürden sind heute viel tiefer als noch vor 20 oder 30 Jahren. Worauf warten Sie noch? Legen Sie los!

Design, Technik, Funktionalität, Benutzerfreundlichkeit: Was ist Ihrer Ansicht nach der wichtigste Faktor, damit man mit einer Software oder einer App Erfolg hat?

    Es kommt immer darauf an, für was und in welchem Bereich eine App eingesetzt wird. Handelt es sich um eine Unternehmensapplikation, oder sollen damit ganze Bevölkerungsschichten angesprochen werden? Unterschiedliche Voraussetzungen führen zu unterschiedlichen Bedürfnissen. Ein Punkt aber bleibt immer gleich: Apps werden nur dann genutzt, wenn sie einen Mehrwert bieten – und einfach zu bedienen sind.

Das klingt logisch…

    …und ist in der Umsetzung aber natürlich nicht so einfach. Je «einfacher» die Benutzung einer App  für die Kunden, desto komplexer ist in der Regel die Technik dahinter. Im Grundsatz sollte man folgendes verstehen: Eine Software oder eine App nimmt dem Nutzer idealerweise Arbeit ab, so dass sich dieser auf sein Kerngeschäft konzentrieren kann. Was sie auf keinen Fall tun sollte, ist mehr Arbeit für den Nutzer zu generieren.